Gedicht an die Natur

Natur, du uraltes Gleichgewicht,
vor aller Zeit geboren,
du atmest durch Blätter, Steine,
durch Wasser und das Feuer im Gestein.
In dir schlägt die Ordnung der Welt,
lautlos, unerbittlich, schön.

Aus deinem Schoß stieg das erste Licht,
ein Flimmern über kaltem Meer,
und aus dem Flimmern wurde Wärme,
aus Wärme Form, aus Form Gedächtnis.
So entstand der Kreislauf –
nicht geschaffen, nur geschehen.

Du nährst und nimmst zurück,
du lässt wachsen, um zu vergehen.
Kein Verlust ist dir fremd,
kein Tod ohne Sinn.
Im Fallen eines Blattes ruht dieselbe Kraft,
die Sterne trägt und Flüsse lenkt.

Advertising

Wir atmen dich, ohne es zu wissen,
wir stehen in dir wie Wurzeln im Grund.
Doch wir vergessen dein Schweigen,
bauen Lärm über deine Stimme.
Trotzdem wartest du – unbewegt,
bereit, uns wieder aufzunehmen,
wenn unsere Spur verweht ist.

Natur, du bist nicht mild,
du bist gerecht.
Du fragst nicht nach Wert, nur nach Balance.
Und wenn wir eines Tages begreifen,
dass wir kein Eigentum,
sondern Teil von dir sind,
dann beginnt vielleicht
das wahre Erwachen.

Weintrauben