AQEorchologie

Die Geschichte eines Erwachsenen

Ich komm in eine Bar, in der bar in der Stratospäre war ich schon sehr oft.. es ist eigentlich ein guter ort um für Entspannung, bisschen Bier, bisschen Cocktails und was gutes essen.... und die Partywütenden Touristen....

Ein Tourist sagte: wenn du diese Pille hier nimmst kommst du nie wieder zurück...

Advertising

h3h3h3h3h3 ... der hatte absolut keine Ahnung von Technologie... die ganzen Archive sind bekannt.. das ist ein Strafftäter.. automatische Meldung wurde schon erstattet.. bist du bereit für Archeologie ? .. für so einen Wahnsinn bestimmt nicht! ... aber wie verdient man dort unten eigentlich Geld ? das ist wirklich unmöglich nachhaltig zu handeln.

 

Der Erwachsene hieß Janusz, ein Name, der in den Archiven oft auftauchte, ohne dass je eine vollständige Biographie von ihm gespeichert wurde. Er war kein Held und kein Prediger, sondern jemand, der einfach nicht aufhören konnte, weiterzumachen, obwohl um ihn herum längst alles stillstand.

Die Bar, die er an diesem Abend betrat, hing wie eine schwebende Muschel über den Wolken, eingefasst in eine transparente Kuppel. Stratosphärenbars waren seit Jahrhunderten beliebte Rückzugsorte für jene, die Abstand vom dichten Leben der Megastädte suchten. Hier oben war die Luft dünn, aber gefiltert, das Licht vibrierte sanfter, und selbst die Cocktails hatten ein leises Glimmen, als wären sie mit Photonen angereichert. Für Janosch war dieser Ort fast vertrauter als sein Apartment unten in den Stadtgassen.

Er setzte sich wie immer auf denselben Platz, eine Bank nahe dem Panoramafenster. Unter ihm schimmerte die Erde, zerklüftet, überlagert von holographischen Anzeigen, die Touristen erklärten, welche Ruinen dort unten zu sehen wären. Partywütige Gäste, frisch aus den Orbitalstationen eingeflogen, bestellten laute Drinks, filmten sich selbst, sangen Fragmente alter Hymnen. Für sie war es nur ein exotischer Ausflug.

Ein Tourist, viel zu jung, um zu verstehen, und viel zu laut, um ernst genommen zu werden, beugte sich zu ihm. Er hielt eine schimmernde Pille hoch, als sei es ein Souvenir. „Wenn du diese nimmst, kommst du nie wieder zurück“, lallte er, und sein Grinsen verzog sich in ein groteskes h3h3h3h3.

Janosch sah ihn an, ohne jede Mimik. In dieser Welt wusste jeder, dass die Archive längst alle Rezepturen, alle psychoaktiven Algorithmen, jedes bekannte Molekül enthielten. Niemand hier glaubte ernsthaft, dass eine einzige Kapsel etwas Neues bewirken könnte. Aber er wusste auch, dass die Behörden anders reagierten. Der Gedanke, dass jemand „Unbekanntes“ verbreitete, reichte aus, um eine automatische Meldung an das Sicherheitsnetz auszulösen. Der Tourist hatte gerade seinen eigenen Prozess begonnen, ohne es zu begreifen.

„Straftäter“, murmelte Janosch trocken, kaum hörbar, während er sein Glas hob. „Archivmeldung läuft.“ Dann lauter: „Bist du bereit für Archäologie? Denn das hier… das ist nur Wahnsinn.“

Er meinte es ernst. Für ihn war das Erkunden der Reste unten auf der Erde — die eingestürzten Städte, die verglasten Felder, die Archive voller unverständlicher Daten — die einzig verbliebene Arbeit, die Sinn ergab. Keine Religion, kein Drogenrausch, kein Selbstmordpakt konnte ihm diese Faszination nehmen: die Frage, wie Menschen all das erschaffen und gleichzeitig zerstört hatten.

Ein Kellner stellte ihm ein neues Bier hin. Janosch nahm einen Schluck, sah hinaus in die Tiefe und fragte sich, wie man dort unten eigentlich noch Geld verdiente. In den Städten war jedes wirtschaftliche System längst ausgehöhlt, ersetzt durch Verteilung, durch Algorithmen, durch kurzfristige Überlebensmechanismen. Nachhaltigkeit war ein Wort, das hier oben in den Bars wie ein Scherz klang.

„Dort unten nachhaltig handeln?“ Janosch lachte bitter in sich hinein. „Das ist unmöglich.“

Dann wandte er sich wieder dem Fenster zu. Unter ihm funkelte das tote Land, und er wusste: irgendwann musste er wieder hinab, um Spuren zu sichern. Archäologie im Jahr 5000 war kein akademisches Spiel mehr, sondern die letzte Form von Erinnerung.


Janosch