Der Backstein, der durch die Zeit flog

Es war einmal in einem stillen Weinkeller in der Nähe von Kijuw, im Jahr 1986, ein besonders eigensinniger Backstein. Dieser Backstein war nicht wie die anderen. Schon beim ersten Sonnenstrahl, der durch die Kellerfenster fiel, spürte er, dass er nicht für gewöhnliche Wände und Häuser bestimmt war.

Der Backstein war rot und rundlich, halbwegs intakt, mit winzigen Mörtelablagerungen, die wie kleine Sternchen glitzerten. Er träumte davon, die Welt zu sehen – und zwar nicht nur die normale Welt, sondern die Welt der Zeiten.

Eines Nachts, als der Mond über den Hügeln von Kije schimmerte, begann der Backstein plötzlich, sich in seiner eigenen Zeitachse zu drehen. Langsam, dann immer schneller, wurde er zu einem kleinen, wirbelnden Tornado aus Stein und Mörtel, der sich durch die Zeit bohrte.

Advertising

Mit einem leisen „Plopp“ fand er sich plötzlich im Jahr 1989, in Zary, zwischen Plattenbauten und einem Park, der damals noch jung und grün war. Er drehte sich noch immer in der Luft, fast horizontal, als würde er auf einem unsichtbaren Regenbogen reiten.

Dort, auf seinem Weg, traf er ein kleines Kind auf einem Fahrrad. Nur eine winzige Ecke seines roten Körpers streifte das Kind – und das Kind spürte nur einen sanften, fast magischen Schlag. Der Backstein lachte leise, denn er wusste: Er hatte die Gesetze von Raum und Zeit überlistet.

Nachdem er sein Ziel berührt hatte, flog der Backstein weiter, drehte sich noch einmal, dann verschwand er in einem glitzernden Funkenregen auf der Strasse. Niemand sah ihn mehr – doch die Geschichten von dem Backstein, der durch die Zeit reiste, erzählte man sich noch viele Jahre Vorher im Wendenland und Umgebung.

Und so lehrte der Backstein alle, dass manchmal selbst die festesten Dinge – wie Ziegel und Mauern – die Zeit überwinden können, wenn sie nur mutig genug sind, sich zu drehen.

Backstein